Das Programm für das Jahr 2012 ist in Arbeit.

Sie finden es voraussichtlich ab Januar  auf der Seite PROGRAMM.

 

Mit diesem Konzert schlossen wir am 27. Novemder die Reihe Konzert im Kloster 2011:

Swantje Hoffmann, Violine | Torsten Johann, Cembalo
Musik von Johann Sebastian Bach, Francesco Maria Veracini, Johann Georg Pisendel und Georg Philipp Telemann

 

 

Urszenen der Kammermusik

Johann Sebastian Bachs Sonaten für Violine und konzertierendes Cembalo sind nicht nur ausnahmslos Werke höchsten kompositorischen Anspruchs, sondern sie stellen auch eine Pionierleistung auf dem Gebiet des instrumentalen Duos dar. Denn sie sind musikhistorisch gesehen die ersten gewichtigen Kompositionen, in denen das Tasteninstrument nicht nur als harmoniegebender Begleiter, sondern als in linker wie rechter Hand gleichberechtigter Stimmpartner der Violine auftritt. Bachs Sonaten bilden eine Urszene der Kammermusik: sie gehören zur neugeschaffenen kammermusikalischen Gattung für ein Melodieinstrument und obligates Cembalo; sie sind die Vorläufer aller späteren Sonaten für Violine und Klavier.

Im Oberrieder Konzert gaben sie daher einen musikalisch sinnfälligen Rahmen ab für ganz ähnliche Werke aus dem Umfeld von Bach. Zu diesem zählt auch der spätere Hamburger Musikdirektor Georg Philipp Telemann, der in Leipzig die berühmte „Studenten-Combo“ des Collegium musicum gegründet hat. Bach, der dieses Ensemble dann später übernahm und mit ihm seine legendären Konzerte im Leipziger Café Zimmermann spielte, pflegte zu ihm eine enge Freundschaft. Telemann wurde der Taufpate seines Sohnes Carl Philipp Emanuel. Durch Telemann lernte Bach, damals noch in Weimar, auch den späteren Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle kennen: Johann Georg Pisendel. Er teilte sich diese Stelle mit dem Italiener Franacesco Maria Veracini, dessen Sonate academiche op. 2 dem sächsischen Kurfürsten gewidmet sind. Die Violinmusik dieser Epoche erlebte in Sachsen zwischen Johann Sebastian Bach in Leipzig und den Virtuosen der Hofkapelle aus Dresden einen Höhenflug, der uns heute in zahlreichen bedeutenden Kompositionen überliefert ist. Einen Einblick gab das Konzertprogramm mit Swantje Hoffmann, Violine, und Torsten Johann am Cembalo.

 

Quartett(o) Freiburg bot uns am Sonntag, 30. Oktober 2011 ein weiteres highlight der diesjährigen Konzertreihe:

Quartett(o) Freiburg

Gottfried von der Goltz, Violine | Gerd-Uwe, Klein, Violine

Ulrike Kaufmann, Viola | Guido Larisch, Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart

Streichquartett C-Dur KV 465

“Dissonanzenquartett”

1. Adagio – Allegro

2. Andante cantabile

3. Menuetto: Allegro – Trio

4. Allegro molto

 

Ferdinand Ries

Streichquartett a-Moll op. 150 Nr. 1

1. Allegro con spirito – Andantino

2. Adagio con moto, cantabile

3. Scherzo, Allegro non troppo

4. Finale, Allegro

- Pause -

 

Ludwig van Beethoven 

Streichquartett Nr. 4 c-Moll op. 18 Nr. 4

1. Allegro, ma non troppo

2. Scherzo: Andante scherzoso, quasi Allegretto

3. Menuetto: Allegretto

4. Allegro 

 

Sternstunden der Quartett-Kunst

Berühmt und berüchtigt wurde Mozarts «Dissonanzenquartett» durch die langsame Einleitung mit dem reichlich ungewöhnlichen Einsatz der ersten Violine. Seinen Zeitgenossen war das nicht geheuer : «Kann man denn so die Musik zum Besten haben? Und wird sich jemand finden, der solche Musik drucken wird?», empörte sich seinerzeit der italienische Opernkomponist Giuseppe Sarti. Natürlich fand sich ein Drucker und heute gilt Mozarts Quartett KV 465 als Inbegriff des klassischen Streichquartetts. Und Beethoven? Über sein c-Moll-Quartett hat er sich in drastischen Worten ziemlich abfällig geäußert: «Das ist ein rechter Dreck!», soll er ausgerufen haben. Heute wird es gerühmt für den «neuen Ton», den es anschlägt. Und Ries, der Beethovenschüler? Nach seinem Umzug nach London nehmen die Anleihen bei seinem Lehrer merklich ab. Beethovens angeblicher Vorwurf, Ries ahme ihn zu sehr nach – heute lässt er sich kaum mehr aufrecht erhalten.

 

Quartett(o) Freiburg

Neben einem reichhaltigen Erfahrungsschatz im Bereich der Kammermusik blicken die vier Musiker des Quartett(o) Freiburg vor allem auf eine intensive und langjährige Zusammenarbeit als Mitglieder des Freiburger Barockorchesters zurück, von der natürlich das gemeinsame Quartettspiel profitiert.

Der erste Auftritt, gewissermaßen die „konzertante Geburtsstunde“ des Quartetts, fand an prominenter Stelle statt, nämlich im Rahmen der Salzburger Mozartwoche 2007 – allerdings noch ohne den Namen Quartett(o) Freiburg, der sich in verkürzter Form übrigens auf das Quartett(o) serioso von Ludwig van Beethoven bezieht. Beethoven selbst hatte über sein Streichquartett op. 95 den Titel „Quartett(o) serioso“ gesetzt, ein ungewöhnliches Einzelwerk ohne Anlass oder Auftraggeber, das er sozusagen für sich selbst geschrieben hat. Damit wäre dann auch das Kernrepertoire des Quartetts benannt: die Werke Beethovens und seiner Zeitgenossen.

Am 25. September setzten wir die diesjährige Reihe Konzert im Kloster mit diesem Konzert fort:

The Age of Passions

Scherzi musicali im "vermischten Geschmack"

 

 Petra Müllejans, Violine

Hille Perl, Viola da gamba | Lee Santana, Laute

 

Hille Perl und Lee Santana erhalten ECHO KLASSIK 2011!

Am 18. November wird die neue CD von Hille Perl mit wunderschöner Weihnachtsmusik veröffentlicht. Einzelheiten siehe hier und unter www.hillenet.net.

Siehe hierzu auch unsere Seite KÜNSTLER!

 

Musik von Philippo Martino, Arcangelo Corelli, Giovanni Schenck, Francesco Antonio Bonporti, Georg Philipp Telemann, Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach

 

„Der italienische Geschmack und der Geschmack der Franzosen entzweit in Frankreich seit langem das musikalische Publikum“ – dies schrieb Francois Couperin 1724 im Vorwort zu seiner Sammlung von Konzerten mit dem Titel „Les gouts réunis“, zu deutsch: „Die vereinigten (National)-Stile.“ „Gout“ – der Begriff stand für Stil, Geschmack, Mode und war zugleich ein Synonym für die ästhetisch-kulturelle Rivalität von Frankreich und Italien. In Italien hatte sich die Instrumentalmusik um 1700 zu einer Melange aus Leidenschaft und Virtuosität entwickelt. In Frankreich dagegen war Musik vor allem Eleganz und Form, Diskretion und Repräsentation. Couperins Bestreben, die unterschiedlichen Nationalstile zusammen zu führen, Eleganz und Leidenschaft, Virtuosität und Feinsinnigkeit sowie Empfindung und Pathos musikalisch zu versöhnen, wird auch von deutschen Komponisten aufgegriffen. Der sogenannte „vermischte Geschmack“ wird sogar zu einer deutschen Erfindung verklärt. In der Flötenschule von Johann Joachim Quantz, dem Flötenlehrer Friedrichs des Großen, heißt es dann: „Wenn man aus verschiedenen Völkern ihrem Geschmack in der Musik, mit gehöriger Beurteilung, das Beste zu wählen weiß: so fließt daraus ein vermischter Geschmack, welchen man, ohne die Grenzen der Bescheidenheit zu überschreiten, nunmehr sehr wohl: den deutschen Geschmack nennen könnte.“ Tatsächlich steht der „vermischte Geschmack“ bald für eine Musik, die fast im modernen Wortsinn „europäisch“ genannt werden darf. Ihr hervorragendster Vertreter in Deutschland war Georg Philipp Telemann. Ein Europäer avant la lettre. Entscheidende Impulse bei dieser Entstehung des „verschmischten Geschmacks“ gingen dabei von Arcangelo Corellis Violinmusik aus; sein opus 5 (1700 in Rom verlegt) kursierte in unterschiedlichen Versionen für andere Instrumente vor allem in England und in Deutschland. Francesco Antonio Bonporti war sein Schüler. Seine „Inventioni“ sind wiederum in Abschriften von Johann Sebastian Bach erhalten. Die reisenden Musiker, die zwischen den Hofkapellen Italiens, Frankreichs und Deutschlands pendelten, waren die eigentlichen Agenten des „vermischten Stils“. Auch der Kosmopolit Johann Schenck, der sich je nach Stil und Ort seiner Veröffentlichungen auch Jean Schenck oder Giovanni Schenck nannte, war mit Corellis Werken vertraut.  Oder der Lautenist Philippo Martino, der vermutlich Philipp Martin hieß: er ist ein später Vertreter des „vermischten Stils“ in Deutschland, der in seinen Lautenkonzerten italienische Virtuosität mit französisch-höfischer Eleganz zusammen bringt.

Dies war am 15. Juli unser zweites Konzert der diesjährigen Reihe Konzert im Kloster!

 

Freiburger Spielleyt & Fis Füz

Ex oriente lux - oriental jazz meets medieval music

 

Es spielten und sangen

Regina Kabis | Sopran

Jutta Haaf | historische Harfe, Portativ

Albrecht Haaf | Flöten, Schalmei, Viola d´arco, Portativ

Annette Maye | Klarinetten

Gürkan Balkan | Ud, Gitarre

Murat Coskun | Perkussion

Open Air im Klosterinnenhof: Ex oriente lux – Licht aus dem Morgenland

Orientalischer Jazz und Musik des Mittelalters in der Reihe Konzert im Kloster in Oberried

 

Mit diesem Konzert haben wir am 5. Juni die Reihe Konzert im Kloster 2011 begonnen!

Klavierquartette von W. A. Mozart

 

Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier g-Moll KV 478

Allegro | Andante | Rondo. Allegro moderatio

 

 Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier  Es-Dur V 493

Allegro | Larghetto | Allegretto

 

Es spielten

Kristian Bezuidenhout, Hammerklavier; Petra Müllejans, Violine;

Gottfried von der Goltz, Viola; Kristin von der Goltz Violoncello

Er war der Erste, der das Klavier mit drei Streichern kombinierte und das Klavierquartett ins Leben rief. Und es war wohl das erste Mal, dass er ein Honorar dafür erhielt, dass er ein Werk nicht komponierte. Denn eigentlich hatte Mozart für den Wiener Verleger Franz Anton Hoffmeister gleich eine Serie von drei Klavierquartetten schreiben wollen. Nachdem sein g-Moll-Klavierquartett allerdings beim Publikum gar nicht gut angekommen, das zweite Quartett aber bereits zu Papier gebracht worden war, entließ Hoffmeister Mozart aus dem Vertrag. Das bereits vorausbezahlte Honorar durfte er behalten, wenn er nur von weiteren Kompositionen dieser Art Abstand nähme. So kurios geht es mitunter zu, wenn neue Gattungen begründet werden.

Dass Mozarts Klavierquartette aber bald immer mehr Anklang fanden, das wusste schon der zweite Ehemann Constanze Mozarts zu berichten. Heute genießen sie uneingeschränkte Bewunderung und gelten als Perlen der Klavierkammermusik. Für ihre Interpretation empfahlen übrigens zeitgenössische Kritiker Musiker, “die außer der erforderlichen beträchtlichen Geschicklichkeit ein Herz und einen für Musik sehr reif gebildeten Verstand haben.”

Wer den für seine Mozart-Einspielungen inzwischen international gefeierten Hammerklavier-Spezialisten Kristian Bezuidenhout im Zusammenspiel mit dem Freiburger Barockorchester erlebt hat, der wird ihm und seinen vorzüglichen musikalischen Partnern diese besonderen Fähigkeiten ohne weiteres zubilligen und mit Recht im Eröffnungskonzert der Oberrieder Reihe “Konzert im Kloster” am 5. Juni eine Sternstunde der Klavierkammermusik erwarten. Und da schon Mozarts Zeitgenossen die “Unbesonnenheit” beklagten, seine “Quartette in großen, lärmenden Concerten zu produciren”, dürfte die Oberrieder Wallfahrtskirche mit ihrer hervorragenden Akustik einen idealen Klangraum abgeben für die intime musikalische Konversation dieser Werke.

Mit diesem wundervollen Konzert schlossen wir die Reihe Konzert im Kloster 2010 am 21 November 2010:

Pariser Quartette

The Age of Passions

Karl Kaiser | Flöte

Petra Müllejans | Violine

Hille Perl | Viola da gamba

Lee Santana | Laute
 

Musik von Georg Philipp Telemann, Jean Marie Leclair, Joseph Bodin de Boismortier und Philippo Martino

The Age of Passions – der Name des von Hille Perl vor einigen Jahren ins Leben gerufenen Quartetts ist Programm: denn die vier fabelhaften Musikerinnen und Musiker, alle international renommierte Solisten, Stars der Alte Musik-Szene, sind fest davon überzeugt, “dass die intensivste, leidenschaftlichste und sinnvollste Art zu erklären, was uns in diesem Leben umtreibt und bewegt, eben die ist, unsere Musik zu teilen, mitzuteilen.” Ihrem vitalen, lebendigen und hochvirtuosen Musizierstil, in dem Interpretation und Improvisation eine klangsinnliche Liaison eingehen dürfen, hört man das sofort an. Musik von Telemann oder von Martino oder von Leclair – The Age of Passions machen daraus Musik von heute: moderne Barockmusik, die mitreißt, die Swing hat, die uns bewegt. Da wirken Telemanns berühmte Pariser Quartette für drei Soloinstrumente und Basso continuo, die zu den ersten und beinahe einzigen ihrer Art für diese Besetzung gehören, als wären sie haargenau für dieses Ensemble geschrieben worden.

Das vierte Konzert am 17. September in der Reihe Konzert im Kloster 2010:

Musik von Johann Paul von Westhoff

Al Grand Appoline

Daniela Helm, Violine

Love Persson, Violone

Rosario Conte, Laute

Ieva Saliete, Cembalo

Al Grand Apolline – dem „großen Apollon unserer Tage“ hat Johann Paul von Westhoff 1694 seine in Dresden erschienene Sammlung mit Violinmusik gewidmet. Dass von Westhoff damit allerdings tatsächlich den griechischen Apollon, den antiken Gott der Künste und der Musik, den unübertroffenen Kitharaspieler und Anführer der Musen gemeint hat, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Seine Musik hat er einem damals weitaus machtvolleren Potentaten, einem weltlichen Gott gewidmet, nämlich Ludwig XIV., dem apollinischen Sonnengott von Versailles. Und das war gar nicht so vermessen. Denn der war gerade dabei, ein so noch nie dagewesenes Mäzenatentum zu entfalten und alle Kunst als Verherrlichung seiner Macht in Dienst zu nehmen. Und von Westhoff zählte damals immerhin zu den führenden Violinvirtuosen Europas, er hatte sogar auf einer seiner Auslandsreisen vor Ludwig XIV. selbst gespielt und war ansonsten fest engagiert in der weltberühmten Dresdener Hofkapelle, dem besten Orchester seiner Zeit. Sein Suitenzyklus für Violine solo gilt als Vorläufer und Vorbild der großen Sonaten und Partiten, die Johann Sebastian Bach 25 Jahre später schrieb. Seine Violinstücke verbinden irrwitzige spieltechnische Anforderungen mit äußerster melodischer Raffinesse.

Al Grand Apolline – unter diesem Namen präsentiert nun der Kulturkreis Oberried in der beliebten Reihe „Konzert im Kloster“ Musik aus der Blütezeit der virtuosen Violinkunst des 17. Jahrhunderts mit Daniela Helm, Violine, Love Persson, Violone, Rosario Conte, Laute, und Ieva Saliete, Cembalo. Auf dem Programm der vier Musikerinnen und Musiker, die regelmäßig mit den heute führenden Barock-Ensembles musizieren, darunter das Freiburger Barockorchester, Anima Eterna, The Hannover Band oder Amsterdam Baroque, stehen Werke jener Geiger, die im Verlauf des 17. Jahrhunderts dafür sorgten, dass der Klang der von oberitalienischen Instrumentenbauern optimierten Violine die Musikwelt Europas in einem schier beispiellosen Siegeszug eroberte. Carlo Farina, Marco Uccellini, Johann Heinrich Schmelzer, Johann Paul von Westhoff – sie alle waren Violin-Virtuosen, die ihre Stücke selbst komponierten; sie waren „Komponisten“, die ihre kunstfertigsten Werke selbst vortrugen. Sie waren Komponist und Interpret in einer Person. Denn jene Zeit kannte noch kaum die erst später aufgekommene strenge Arbeitsteilung zwischen Komponist und Interpret. Aus diesem Grund spielen Variation und Improvisation, bei der ein Geiger seine ganze Kunstfertigkeit und seine spontane Erfindungskraft unter Beweis stellen kann, in der Musik des 17. Jahrhunderts eine große Rolle.

An ihre heutigen Interpreten stellt die Violinmusik des 17. Jahrhunderts deshalb auch ganz andere Anforderungen als die vergleichsweise „moderne“ Musik der Klassik oder der Romantik, deren Ausführung viel exakter in den Noten vorgeschrieben ist. Die barocke Violinmusik lässt ihren Interpreten große Spielräume und Freiheiten. Das macht ihren Reiz aus. Aber diese Freiräume zwischen den Noten wollen auch musikalisch ausgefüllt, mit stilsicherem Gespür für die „Manieren“ der alten Musik ausgestaltet werden. Dabei setzt sie auch heute äußerste Kunstfertigkeit, Virtuosität und Erfindungskraft voraus. Und genau hier beginnt für die modernen Barockmusiker von heute, die nicht ohne Grund ein ständig wachsendes, auch vergleichsweise junges Publikum anziehen, das musikalische Abenteuer, auf das sie ihre Zuhörer mitnehmen: ihr temperamentvoller und spielerischer Zugriff verwandelt alte Musik in lebendige Gegenwart. Was sie stets wagen, ist eine Gratwanderung zwischen Improvisation und Notentreue. Das macht Konzerte mit „moderner“ Barockmusik so spannend

Mit diesem Konzert haben wir am 9. Juli die Reihe Konzert im Kloster 2010 fortgesetzt:

Ex oriente lux - oriental jazz meets medieval music

Freiburger Spielleyt & Fis Füz

Regina Kabis, Sopran

Jutta Haaf, historische Harfe, Portativ

Albrecht Haaf, Flöten, Schalmei, Viola d´arco, Portativ

Annette Maye, Klarinetten

Gürkan Balkan, Ud, Gitarre

Murat Coskun, Percussion

Ex oriente lux

 Dieses Crossover-Projekt erhält seinen besonderen Reiz dadurch, dass hier Spielarten des Musizierens, wie sie charakteristisch sind für den Jazz, auf Musik des Mittelalters treffen, in der auch ganz ähnliche Formen der freien Improvisation angelegt sind. Für beide Ensembles ist die Improvisation eine zentrale Ausdrucksform. Und das nicht ohne Grund. Denn tatsächlich haben der Jazz und die Musik der mittelalterlichen Spielleyt mehr gemeinsam als es auf den ersten Blick aussehen mag. Was beide verbindet, jenseits aller historischen Distanz, das ist ihr Verhältnis zur schriftlichen Fixierung, zur Notenschrift. Der frühe Jazz kennt eben so wenig die schriftliche Notation wie die Instrumentalmusik der mittelalterlichen Spielleute, deren Musik notenschriftlich so gut wie gar nicht nicht überliefert ist. Musik des Mittelalters, die uns in früher Notation erhalten ist, das ist in aller Regel liturgische oder geistliche Vokalmusik aus dem Umfeld der Klöster und Kathedralen. Dort lebten die Schriftkundigen, die darüber wachten, dass vor allem die liturgischen Gesänge mit ihren heiligen Worten überall gleich intoniert und gleich gesungen wurden; hier war die gelehrte Musica Disciplina zu Hause, hier wurden in einem langen Prozess die Grundlagen unserer Notenschrift entwickelt, hier wurde Musica als eine Disziplin der Septem Artes liberales, als ein Fach der Sieben Freien Künste unterrichtet. Alle übrige Instrumentalmusik, die in der Kirche für lange Zeit verpönt, ja verboten war, spielte woanders und war musica profana. So wie der authentische Jazz seine Wurzeln nicht in den Musikkonservatorien, in der Oper oder im Konzertsaal hat, also jenseits der klassischen Musik entstanden ist, so entspringt die Instrumentalmusik des Mittelalters auch nicht den Klöstern, Kirchen und Skriptorien, sondern der Welt der Spielleute, der Gaukler und Narren, der Bärenführer, Komödianten und Artisten. Ganz wie im frühen Jazz sind es hier die Schriftunkundigen, die Analphabeten, die Vertreter der niederen Stände, die mit ihrer entfesselten Tanzmusik, mit ihrer Hinwendung zu Rausch, Wollust und ehrlosem Lebenswandel eine Musik verkörpern, die der klösterlichen Musica Disciplina ebenso unheimlich war  wie der wilde Jazz zu Begeinn des 20. Jahrhunderts der hohen Kunstmusik. Die Musik der Spielleyt traf der Bannstrahl der Kirche und der Musica Disciplina; den frühen Jazz des schwarzen Amerika strafte der Klassikbetrieb lange Zeit mit arroganter Missachtung. „Wo Tanz ist, da ist der Teufel“, das schrieb schon Johannes Chrysostomus. Er meinte die Musik der Spielleute. Ganz ähnlich urteilte die Kulturkritik einmal über die „exzessive Tanzwut“, die mit dem transatlantischen Jazz im Europa der 20er Jahre Einzug hielt.

Manchmal liegt die Sensation im Umgang mit der Tradition. So auch bei FisFüz, einem deutsch-türkischen Ensemble, das sich nicht auf die Begegnung zweier Nationen und Kulturen beschränkt, sondern den ganzen Mittelmeerraum und ca. 3000 Jahre als seinen Fundus betrachtet. Spanisches, Italienisches, Türkisches, Nahöstliches und Nordafrikanisches fließt da mit Jazz zusammen, Uraltes, Mittelaltes und ganz Neues. 1995 von der Klarinettistin Annette Maye und dem Rahmentrommler und ZMF-Preisträger Murat Coskun gegründet, gewann das Ensemble FisFüz 1998 den SWR-Weltmusikpreis und tourte bundesweit sowie durch Ost-, West- und Südeuropa, Marokko, Tunesien und in den Iran. Seitdem hat FisFüz drei CDs vorgelegt.

Die Freiburger Spielleyt interpretieren seit 1990 die Musik des Mittelalters und der Renaissance.Die Musiker begegneten sich über ihre künstlerische Arbeit, sowie über ihre Studien in Freiburg und der Schola Cantorum in Basel.Es entstanden zahlreiche Rundfunkaufnahmen, Fernsehauftritte und CD-Einspielungen. Inzwischen zählen die Freiburger Spielleyt zu den gefragtesten Ensembles im Bereich der frühen Musik. Ihr Repertoire reicht vom schlichten Minnelied über die virtuose Literatur des italienischen Trecento bis zur höfischen Musik der Renaissance. Das Ensemble konzertiert seit rund 10 Jahren innerhalb von Konzertreihen und Musikfestivals in zahlreichen Ländern Europas. 2002 gastierte das Ensemble auch in den USA und gab unter anderem Konzerte in New York-City. Inzwischen hat das Ensemble 10 CDs eingespielt.

Der KulturKreisOberried war Kooperationspartner der Großen Landesausstellung 2010 "Musikkultur in Baden-Württemberg". Dieses Konzert war Teil des Begleitprogramms.

Mit diesem Konzert begannen wir am Sonntag, 28. März 2010 die Reihe Konzert im Kloster 2010:

Joseph Haydn - Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze

Quartett(o) Freiburg

Gottfried von der Goltz | Violine

Gerd-Uwe Klein | Violine

Ulrike Kaufmann | Viola

Guido Larisch | Violoncello

Es war sehr schön, dass gerade dieses Konzert, das Haydn für die Karfreitagsliturgie in Cadiz 1787 komponiert hat, gleichsam als Eröffnung der Karwoche am Palmsonntag in unserer Kirche gegeben werden konnte - ein Höhepunkt der geistlichen  Musik des späten 18. Jahrhunderts.

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